17 Mai 2013

<!--:de-->re:publica 13 – eine Zusammenfassung<!--:-->

Vom 6.-8. Mai hatten complexiums Trainees zum ersten Mal „Freigang“ und waren auf der re:publica 13 in Berlin zu Gast. Hier berichten wir von den vielfältigen Eindrücken, die wir gewinnen konnten.

Dieter Zetsche: „Das vernetzte Auto – wie verändert sich unsere Mobilität?“ &
Betram Gugel + Markus Hündgen „YouTube – zwischen Wildwest und Goldgrube“

Geld verdienen von zuhause aus, dank youtube.
Smartphones die Leihwagen finden, öffnen und bezahlen.
Auf der re:publica keine Neuheiten, aber dennoch interessante Grundlagen für Vorträge auf den beiden größten Bühnen.
Der Besucherraum der Stage 1 ist komplett gefüllt, noch bevor Dieter Zetsche die Bühne betreten hat. Was folgt ist ein Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden von Daimler, der vor allem ein Interesse daran zeigt, Daimlers Carsharing Modell vorzustellen.
Googles „Driverless Cars“, wie sie zum Beispiel in Amerika eingesetzt werden, vergleicht er mit Mondlandefähren. Die Frage ob Daimler selbstfahrende Autos bauen wird, schmettert er ab mit der Begründung, das wolle niemand. Genug Menschen fahren schließlich gerne Auto. Aber dass Autos selbst erkennen können, wenn Gefahr im Verzug ist und dann auch danach handeln, ist eine Neuerung, die Sinn mache.

Von einem der meist beachtetesten Beiträge auf der Hauptbühne gehen wir zur Stage 2. Hier geht es um YouTube. Und um Zahlen.
Seinen Lebensunterhalt durch das Filmen von Videos finanzieren, können – zugegebenermaßen – nur einige wenige „YouTuber“. Aber mittlerweile gibt es schon sehr ausgefeilte Bezahlmodelle, mit denen man durch YouTube Geld machen kann.
Suchmaschinengigant Google gehört das Internet-Videoportal, welches mittlerweile selbst die zweitgrößte Suchmaschine der Welt ist. Hinter Google versteht sich.
Geld ist vorhanden beim Mutterkonzern, YouTube selbst ist inzwischen aber auch profitabel. So gibt es mittlerweile zwischen 2,50$ und 5$ pro 1000 Views für die Kanalbesitzer, wenn sie sich für das Monetarisieren ihrer Videos entscheiden.

Manuela Schauerhammer: „Heute aufwachsen im Digitalistan: Die neuen mündigen Menschen?“

Die Grundaussage des Vortrages von Frau Schauerhammer war, dass sich Kinder durchaus sozial engagieren und von sich aus Interesse an der Welt haben, in der sie leben; dass sie versuchen Einfluss zu nehmen und zu gestalten. Es war der Rednerin anzumerken, dass sie mit Leidenschaft und Überzeugung hinter dieser These steht. Es gelang ihr anhand verschiedener Beispiele die Möglichkeiten aufzuzeigen, die ein Kind durch den frühen Kontakt mit digitalen Medien und einer zunehmend vernetzten Welt hat. Immer wieder fordert Frau Schauerhammer, dass man Kinder bei den digitalen Medien einfach mal machen lassen solle: Kinder müssen „ran“, müssen ausprobieren dürfen.
Die Initiativen der Kinder blieben im Gedächtnis und Beispiele wie das von Malala, die als Elfjährige anfängt, für die BBC aus Pakistan zu bloggen, regen zum Nachdenken an. An der ein oder anderen Stelle hätte man sich aber eine etwas kritischere Perspektive gewünscht. Es wäre z.B. schön gewesen – zumindest kurz – auf die Frage einzugehen, inwieweit Eltern bzw. Erwachsene ein Kind beeinflussen, das sich z.B. gegen Atomkraft engagiert oder was die Kleinen letztendlich anspornt (Lob bzw. positive Bestätigung), sich für ein Projekt, sei es online oder offline, einzusetzen. Auch die Gefahren, die bei einem zu freien und unbeaufsichtigten Umgang im Netz herrschen, hätten erwähnt werden können; zum Beispiel Cyber-Mobbing, um eines der bekannten Stichwörter zu nennen oder die Frage, ob Kinder bereits eine „Shitstorm-Resistenz“ benötigen. Allerdings war dieser Umstand vermutlich dem straffen Zeitplan der Vorträge geschuldet und man hätte sich an anderer Stelle durchaus über diese Themen informieren können.
Nichtsdestotrotz konnte die Rednerin verdeutlichen, dass man Kinder nicht mehr von sozialen Medien abschotten kann und dass es eher einer aufgeschlossenen Heranführung an die Möglichkeiten des Internets bedarf, als einer „Verteufelung“ desselben. So blieb insbesondere ihre Sympathie und ihr Engagement für die digitale Mündigkeit der Kinder in Erinnerung.

Thomas Wiegold + Sascha Stoltenow: „Die Digital Natives ziehen in den Krieg“

Die Referenten Thomas Wiegold und Sascha Stoltenow referierten über das Social Web im Zusammenhang mit dem Krieg, besonders dahingehend, welche Inhalte über den Krieg in den sozialen Medien veröffentlicht werden sowie welche Potenziale und Gefahren damit verbunden sind.
Für die Digital Natives gehören die sozialen Medien zum Alltag, sowohl auf beruflicher als auch auf privater Ebene. So finden sich Bilder in Tarnanzug und Videos von bewaffneten Auseinandersetzungen ebenso häufig wie die üblichen Selbstportraits in den einschlägigen Portalen. Auch Kriegsparteien und andere militärische Organisationen machen sich diesen Trend zunutze. Sie propagieren und ästhetisieren das Geschehen, sodass ein Bild entsteht, welches den Krieg als etwas Schönes und Bemerkenswertes darstellt. Kriegsvideos werden zu wahren Marketingstrategien. Zudem lassen sich vermehrt Social-Media-Präsenzen von Kriegsorganisationen und Waffenhändlern finden, die unerwartet viele Fans haben – und diese Zahlen steigen rapide. Auch die Zuschauerzahlen von im Kampf gedrehten Kriegsvideos steigen zunehmend. Muss man sich an dieser Stelle Sorgen machen?
Wiegold und Stoltenow haben einen gelungenen Vortrag auf die Bühne gezaubert, der vor allem Fragen zur Bedeutung von Social-Media-Formaten auf die Selbsteinschätzung von Nutzern hinsichtlich Realität, Inszenierung und Verantwortung aufwirft.

Cory Doctorow: „It’s not a fax machine connected to a waffle iron“

Einer der interessantesten Vorträge, den wir mitnehmen konnten, kam von Cory Doctorow und trug den Titel: „It’s not a fax machine connected to a waffle iron“
Dies lag wohl zum einen daran, dass Herr Doctorow einer der eloquentesten Redner war, dem es ohne Weiteres gelang, seine Zuhörer auch ohne begleitende Präsentation zu fesseln. Insbesondere der subtile Humor des Vortrags gefiel („I can’t let you do that, Dave“).
Aber auch die Aussage des Vortrages konnte überzeugen: Das Internet ist eben kein Faxgerät, das an ein Waffeleisen angeschlossen ist, sondern das Nervensystem des 21. Jahrhunderts. Digitale Technologie hat eine nicht zu unterschätzende und stetig zunehmende Bedeutung für unseren Alltag und es sollte nicht versucht werden das Internet als gut oder schlecht zu bewerten, bzw. seine angeblichen Gefahren durch gesetzliche Überregulierung in den Griff zu bekommen. Die Möglichkeiten des Netzes müssen neutral betrachtet werden, ebenso wie Information an sich neutral ist, aber für den Einzelnen unter Umständen das größte Gut sein kann. Daher liegt die Gefahr nicht in dem Überhandnehmen digitaler Technologien, sondern in den (gesetzlichen) Eingriffen von Außen, die versuchen, die Kapazitäten der digitalen Welt in bestimmte Bahnen zu lenken und zu beeinflussen, was zugänglich bzw. sichtbar sein soll und was nicht. Der Redner warnte vor der Gleichgültigkeit gegenüber solchen Regulierungen, indem er das Risiko betonte, das damit einhergeht, wenn nicht für jeden die gleichen Informationen sichtbar sind (Stichwort: Blind Spot).

Alles in allem lässt sich festhalten, dass der Besuch auf der re:publica lehrreiche Einblicke in die Welt der Online-Medien geben konnte. Die Wichtigkeit eines neutralen und freien Netzes wurde in vielen Vorträgen betont und hinterließ einen bleibenden Eindruck. Daneben gab es natürlich auch die unterschiedlichsten Persönlichkeiten zu beobachten.


  • „The internet is not nothing. Nor is it irrelevant […], nor is it the world’s greatest pornography distribution system, nor is it the second coming of cable television, […] nor is it a waffle iron connected to a fax machine. If it does any of those it is purely incidental to what the Internet is – the nervous system of the 21st century, where everything we do today involves the Internet and everything we do tomorrow will require. […] There is no way to fight oppression without free devices and free networks.“ – Cory Doctorow

    - Quoter -
  • Sarina Drexhage, Corinna Heuzeroth, Jennifer Schmedsdorf, Alexandra Urban

    About Stefanie Kahls

    Stefanie Kahls ist Communications Director. Ihre E-Mail-Adresse lautet stefanie.kahls(at)complexium.de.

    Comments

    • Patrik
      22.08.2013 Antworten

      Die republica war mal wieder ein richtiger Erfolg.
      Die Vorträge sind immer klasse aufgebaut und die Redner kompetent.
      Danke für den Video-Post!
      Herzliche Grüße

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