18 Nov 2011

Competitive Intelligence at „Zero Distance“ SCIP European Summit 2011, Vienna.

Über ein halbes Jahr lief die Vorbereitung auf Hochtouren: Im achtköpfigen Conference Committee rund um Jens Thieme haben wir zusammen mit SCIP-CEO Ken Garrison die Themen, die Sprecherauswahl und den Konferenzablauf in etlichen transatlantischen Telcos immer weiter verfeinert. Dann war es soweit: Vom 8. bis 10. November traf sich – nicht nur – die europäische Competitive Intelligence-Community im Austria Center in Wien. Gastgeber war die weltweite Vereinigung der Strategic and Competitive Intelligence Professionals SCIP.

Vorträge, Breakout-Sessions (ohne Powerpoint!) und Experten-Panels haben die aktuelle Brandbreite des Feldes aufgespannt. Eine begleitende Exhibition und sehr viel Networking gaben dieser Zusammenkunft von über 200 Professionals eine ganz besondere Atmosphäre. Bemerkenswert, dass obwohl im Bereich Competitive Intelligence die Beobachtung und Analyse des Wettbewerbers im Mittelpunkt steht, dieser Summit aber durch sehr große Offenheit und Gesprächsfreude geprägt war. Für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich, aber durchaus angenehm, zeigten die Namensschilder nur die Vornamen in großer Schrift.

Zusammenfassen lassen sich die etwa 32 Sessions natürlich nur auf hohem Abstraktionslevel. Gerne möchte ich hier meine Punkte aus dem finalen „Take-away Panel“ teilen: So war mein Eindruck zu Beginn des ersten Tages, dass die Versuchung, Kommunikation als Platitüde zu nehmen, als ganz reale Gefahr im Raum stand. Mehrere Redner hatten herausgestellt, dass Kommunikation die zentrale aktuelle Herausforderung für Competitive Intelligence-Professionals bildet. Was damit zum einen offensichtlich, aber zum anderen eine Herausforderung für mitunter eher introvertierte Experten ist.

Ansatz ist folglich nicht Kommunikation um ihrer selbst willen, sondern um zu Überzeugen, um Entscheidungen noch besser zu unterstützen. Dies setzt Struktur und Organisation voraus. Einen biologistischen Ansatz hierzu stellte Kai Görlich von der SAP vor: Mit klarer Struktur erhält der „information space“ eine „research agenda“. Referenzrahmen unterstützen und fokussieren die Arbeit der Wettbewerbsanalyse. Allerdings, warf Malcolm Baker vom Scotland Yard ein, ist der klassische „CI-Cycle“ eventuell deutlich zu linear. Bedrohungen sind vernetzter. So dass wir unsere Muster entsprechend weiterentwickeln sollten.

Hierzu war zu Beginn des zweiten Tages die „Mega-Trend-Session“ von David Frigstad (Frost & Sullivan) eine herausragende Inspirationsquelle. Selten wurden die zentralen Entwicklungsstränge so klar herausgearbeitet. Danke dafür! In mehreren Diskussionsgruppen wurden die Trends weiter für verschiedene Felder heruntergebrochen, um dann Konsequenzen und Industriestrategien zu skizzieren.

Für den Bereich der Professional Services möchte ich hier mein Modell der „Zero Distance“ herausgreifen: Durch Virtualisierung, „Socialisierung“ (Sozialisierung ist anders belegt 😉 und Globalisierung konvergiert die räumliche Entfernung gegen Null. Da nun Professional Services vor allem durch die Leistung und Zusammenarbeit von Menschen geprägt sind, gibt es gleich mehrere wichtige Ableitungen, die hier für Competitive Intelligence spezifiziert werden können. Zufälligerweise betreffen sie vier C-Gruppen:

Colleagues: Kommunikation ist kein Zufall. Durch konsequente Collaboration kann die Professionalisierung von CI deutlich ausgebaut werden: Michelle Settecase hat hier das Beispiel Ernst & Young sehr straight vorgestellt.

Customers: Aber auch die Kunden des eigenen Unternehmens und der Wettbewerber sind in „zero Distance“: Ihre Meinungen und Erfahrungen werden transparent im Social Web diskutiert. CI wird es sich immer weniger leisten können, hier nicht zuzuhören. Die Social Media Analyse wird das professionelle Handwerkszeug erweitern.

Competitors: Durch diese Transparenz, die auch viele Bereiche des eigenen Unternehmens betrifft, operiert auch der Wettbewerber auf „zero Distance“. Counterintelligence bekommt eine weiter steigende Bedeutung.

C-Level Managers: Nicht ganz zum Schluss steht die Bedeutung des vielbeschriebenen Verhältnisses von CI zu den C-Level Managern. So erwarten diese von CI eine deutliche Reduktion der Komplexität der sie umgebenden Wettbewerbslandschaft. In der Informationstheorie wird Komplexität übrigens über die Länge der notwendigen Beschreibung definiert. Der Schlüssel liegt in der Kommunikation.

Damit können aber nur einige Ansätze, wenn auch vielleicht ein strukturierter Zugang zum Themenstand der Competitive Intelligence-Profession dargestellt werden. Insgesamt aber zeigt sich ein inspirierendes Spektrum, dass auch für folgende Veranstaltungen die Messlatte recht hoch legt. So hat bereits die Suche nach Sprechern und Sponsoren der Jahrestagung des Deutschen Competitive Intelligence Forums dcif e.V. begonnen. Vielleicht mögen Sie sich bereits den 13. Juni 2012 für dieses Event in Berlin vormerken?

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