Aktuelle Informationsdefizite und Themenentwicklungen im Blick der Social Media Analyse

categories Social Media allgemein, UK & Krisenkommunikation    
4
Apr

Artikel von Prof. Dr. Martin Grothe im PR-Blogger:

Es gibt Zeiten, in denen sich die Ereignisse zu überschlagen scheinen und die Themenagenda fortwährend neu sortiert werden muss. Der Beobachter muss sich im “Wellenreiten” auf den Issue-Kurven versuchen, um halbwegs einen Überblick zu behalten. Die Bewertung vieler Entwicklungen ist im Grunde genommen die Domäne von Historikern und Fachkreisen oder aber geschieht oftmals erstaunlicherweise schnell ”aus dem Bauch heraus”.

In einer Art Best-of-Variante, die eine zeitnahe und ausgewogene Beurteilung erlaubt, soll hier in einigen Facetten angedeutet werden, dass die breite digitale Diskussion sowie darauf aufbauende Social Media Analysen auch die betroffenen Akteure mit einem Mehr an Einblick und Einordnung versorgen können. Im günstigsten, zielorientierten Fall sogar mit klaren Ableitungen für die eigene Verhaltens- und Kommunikationsstrategie. Grundlage ist die Abbildung und Analyse der Themenkarrieren im digitalen Raum.

Der Fall Guttenberg war einfach – das Ereignis schnell zu verstehen und explosionsartig breit zu kommentieren. Andere Issues verhalten sich differenzierter, zeigen auch, dass das Internet eben doch ganz unterschiedliche Bereiche aufweist und eine Fokussierung auf soziale Netzwerke und Freundes- oder Follower-Anzahlen mitunter nur einen sehr begrenzten Blick auf das Geschehen wirft. Es gilt, dass Themenkarrieren sich nicht nur an ihrer Intensität und Tonalität festmachen lassen, sondern auch Kontext und Informationsgehalt eine Rolle spielen.

Bereits in einem vorangegangenen Beitrag war dargestellt worden, wie stark sich die Plagiatsaffäre in Nutzerdiskussionen niedergeschlagen hatte. Betrachtet man etwa das Geschehen in populären Diskussionsforen großer Nachrichtenportale, hier  beispielsweise Spiegel-Online, dann zeigt sich im Zeitablauf ein mehrgliedriger Verlauf der Aufmerksamkeit von der Entdeckung bis zum Rücktritt. Erstaunlicherweise führt auf der gleichen Quellenbasis das – faktisch unendlich gewichtigere - japanische Mehrfachdesaster nur zu einem sehr überschaubaren Beitragsaufkommen.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.





Wie die Gorch Fock zur Fußnote wurde. Themenresonanz rund um Bundesminister zu Guttenberg

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25
Feb

Artikel von Prof. Dr. Martin Grothe im PR-Blogger:

Die Social Media Analyse kann dazu eingesetzt werden, unaufgeregt umfangreiche öffentliche Diskussionen besser im Zusammenhang zu erfassen. Beispielsweise vor und nach einem Ereignis. An den aktuellen Beiträgen rund um Bundesminister zu Guttenberg lässt sich dies verdeutlichen. Das Social Web ermöglicht eine gute Resonanzaufnahme und bessere Handlungsorientierung.

Der erste Zitationsvorfall, noch schelmenhaft, geschah fast auf den Tag genau vor zwei Jahren: Ein Anonymus ergänzte auf Wikipedia einen “Wilhelm” in der Vornamensliste des neu ernannten Ministers. Aus dieser scheinbaren Weisheit der Vielen schöpfend, aber weder zitierend noch verifizierend, trugen Journalisten den Namenskanon mit erfundenem Additiv beispielsweise in die Rheinische Post, das RTL Nachtjournal, die SZ, Spiegel Online und weitere Medien. Die über viele Zweifel erhabene Seriosität dieser Organe bestätigte wiederum die gefälschten Online-Quellen.

“Weil Journalisten ungeprüft von Wikipedia abschreiben und Wikipedia journalistische Texte als glaubwürdige Quelle betrachtet, wurde der erfundene Vorname schnell zur medialen Wirklichkeit” stand am 10. Februar 2009 auf BILDblog zu lesen: http://www.bildblog.de/5704/wie-ich-freiherr-von-guttenberg-zu-wilhelm-machte/

Betroffenheit machte sich kurz breit. Die mediale Episodentaktung wartet jedoch nicht. Waren damals die Informationsbezüge noch in Teilen nachvollziehbar, so ist mittlerweile durch die fortgeschrittene Social-Media-Dialogrevolution ein umfassendes digitales Rauschen entstanden, das in schneller Folge verschiedene Issues aufnehmen, durchdeklinieren und verstärken kann.

Im Social Web finden sich irgendwo irgendwie alle Facetten des Diskurses: Einschätzungen, Erfahrungen und Erwartungen, Fragen, Argumente und Argumentationen, mehr oder minder gewichtiges Lob und Tadel. Sicher nicht in der Ausgewogenheit einer repräsentativen Befragung, aber als Spitze des Eisbergs, der Vielen Orientierung gibt. Der Social-Media-Raum ist zu einer teils diffusen Meinungsarena geworden, in der alltägliche Fragen aufgeworfen und die eine oder andere große Debatte geführt wird.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.